1998 erklärte Georg Franck in seinem Buch Ökonomie der Aufmerksamkeit den Zusammenhalt der Gesellschaft über den Austausch und die Bewirtschaftung von Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeitsökonomie, schreibt Wikipedia, sei ein Konzept der Informationsökonomie, das die Aufmerksamkeit von Menschen als knappes Gut betrachtet, und ökonomische Theorien zur Erklärung von menschlichen Verhaltensweisen und Thesen der Informationsökonomie verwendet. „Mit der zunehmenden Vernetzung und den Neuen Medien sinken die Kosten für Information und Unterhaltung immer weiter. Begrenzend ist nicht mehr der Zugang, sondern die Aufmerksamkeit. Sie ist knappe Ressource, begehrtes Einkommen, ökonomisches Kapital und soziale Währung zugleich.” Um den Anteil ihres Unternehmens, ihrer Organisation, ihres CEOs etc. an dieser knappen Ressource ringen die Kommunikatoren seit jeher.

In einem Schwerpunkt Marketing hat sich brand eins im Februar 2017 mit dem Kampf um Aufmerksamkeit und seinen Folgen beschäftigt. In einem Interview sagt Georg Franck knapp zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung von Ökonomie der Aufmerksamkeit: „Ökonomisch betrachtet, sticht Aufmerksamkeit (…) durch ihre Knappheit hervor. Die Menge der Eindrücke, die meine Aufmerksamkeit wollen, ist größer als meine Kapazität. (…) Je größer die Menge der Möglichkeiten, diese begrenzte Ressource Aufmerksamkeit zu verwenden, desto knapper ist sie.” Das habe der Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert Simon schon in den 1970er Jahren beschrieben: „‚A society that is information-rich is attention-poor.’” Heute gehe es in der Ökonomie der Aufmerksamkeit nur noch um Traffic. „Große Agenturen machen nichts anderes, als zu beobachten, welche Webseiten gerade eine hohe Wachstumsrate an Zugriffen haben. Es zählt nur das Ausnutzen dieser Fluktuation. Es geht ganz sicher nicht um Substanzwerte oder Inhalte, es geht nicht einmal um Information. Der Content ist nur Mittel zum Zweck, Aufmerksamkeit für Werbung einzutreiben.” Gefragt, ob es also bei der Kommunikation immer weniger darum gehe, Information zu übermitteln, antwortet Franck: „Ein Großteil der öffentlichen Kommunikation wirkt und funktioniert wie Marketing, egal ob Politiker oder ob Fußballer interviewt werden. Das ist durchformatiert, alle achten auf ihr ‚Wording’, ein Begriff, der in den vergangenen Jahren eine große Karriere gemacht hat.”